Ein Jahr Spinn-Treff in Scheeßel – ein guter Grund zum Feiern, findet Initiatorin Angelika Finke. Und so lud sie zu einem gemütlichem Spinn- und Stricktreff mit Lesung der Sittenserin Autorin Susi Münch in das Kunstgewerbehaus auf dem Meyerhof ein. Die Leiterin der Weberhauses freut sich über die große Beteiligung am neuen Kurs des Heimatvereins Scheeßel: „Es war ein Versuch, die 1978 gegründete Gruppe neu aufleben zu lassen und diese uralte Handarbeitstechnik wieder fest ins Programm aufzunehmen.“ Die große Resonanz gibt ihr Recht, und so kann man seit einem Jahr jeden 2. Mittwoch ab 17:30 Uhr auf dem Meyerhof die Spinnräder surren hören. „Weitere Spinnbegeisterte sind herzlich willkommen und können sich gern beim Heimatverein melden“, betont Finke.
Susi Münch, geboren in Sittensen, ehemalige Krankenschwester und aktive Gästeführerin der Bördegemeinde, entführte die Damen in die französische Besatzungszeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Am Beispiel von Beke Behrens, der Tochter des Hofmeiers auf dem Gut Burgsittensen der adeligen Familie Schulte von der Lüh, ließ sie während ihrer Lesung die schicksalshafte und entbehrungsreiche Zeit unter der Besatzungsmacht von Napoleon Bonaparte in unserer Region aufleben. Während ihrer Anstellung in einer Hamburger Kaufmannsfamilie erlebt die junge Frau durch das Embargo gegen Groß Britannien den Niedergang von Handel und Wirtschaft, was große Auswirkungen auf die Bevölkerung in der Hansestadt und auch auf dem Lande hat, zumal trotz größter Not die französischen Besatzer mitverpflegt werden müssen.
Angesichts der elenden Zustände macht Beke sich kurz vor dem verheerenden Eiswinter 1813/14 in Richtung Gut Burgsittensen auf den Weg in ihre alte Heimat. Was die junge Frau dort erwartet und wie die Geschichte weitergeht, interessierte auch etliche Teilnehmerinnen, und so war Susi Münch gerne bereit, ihr Buch „Knechtschaft unter der Trikolore“ zu signieren und sich weiter darüber auszutauschen. Da die Autorin auf ein Honorar verzichtet, wird sie den während der Lesung gespendeten Betrag an die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ überweisen. Am Ende des Abends waren sich alle Teilnehmerinnen darüber einig, dass solche stimmigen Veranstaltungen das Gemeinschaftsgefühl ungemein bereichern und nach Möglichkeit eine Fortsetzung finden sollten.